Silber hat einen Doppelcharakter: Es ist Edel- und Industriemetall zugleich. Mehr als die Hälfte der jährlichen Nachfrage stammt aus der Industrie – Photovoltaik, Elektronik, Medizintechnik. Der Rest verteilt sich auf Schmuck, Besteck und Investment.
Diese Doppelrolle macht Silber konjunkturabhängiger und deutlich schwankungsanfälliger als Gold: In Aufschwüngen kann die Industrienachfrage den Preis treiben, in Abschwüngen belastet sie ihn.
Praktische Unterschiede zu Gold beim Kauf:
- Umsatzsteuer: Anders als Anlagegold ist Silber nicht umsatzsteuerfrei. Bei vielen Silbermünzen mildert die sogenannte Differenzbesteuerung des Händlers den Effekt; Barren werden regulär besteuert.
- Volumen und Lagerung: Silber ist je Euro Anlagewert um ein Vielfaches voluminöser und schwerer als Gold – Lagerkosten fallen stärker ins Gewicht.
- Spread: Die Handelsspannen sind prozentual oft höher als bei Gold.
Der Silbermarkt ist deutlich kleiner als der Goldmarkt, was Preisbewegungen verstärkt. Ein erheblicher Teil des Angebots fällt zudem als Beiprodukt anderer Minen (Kupfer, Blei, Zink) an – das Angebot reagiert daher träge auf den Silberpreis selbst. Langfristige Nachfragetreiber wie der Ausbau der Photovoltaik sind real, rechtfertigen aber keine Preisprognosen: Auch Substitution und Recycling wirken auf den Markt.
Wegen Steuer-, Lager- und Volumennachteilen prüfen viele Anleger für Silber auch verwahrte Lösungen wie Zollfreilager – mit den dort geltenden eigenen Prüfpunkten (siehe Thema Zollfreilager).
Silber ist das Metall mit zwei Herzen: Es folgt der Angst wie Gold – und der Konjunktur wie Kupfer.
Drei Fragen zur Selbstprüfung. Wählen Sie eine Antwort – die Erklärung erscheint sofort.
01Woher stammt der größte Teil der jährlichen Silbernachfrage?
02Wie wird Silber in Deutschland umsatzsteuerlich behandelt?
03Warum schwankt der Silberpreis meist stärker als der Goldpreis?